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Österreichischer Flottenverein

Typ Organisation

Datierung / Lebensdaten 1907 - 1919

Biographie Es begann 1902: Ende dieses Jahres veröffentlichte der Oberrechnungsrat Wladimir Kuk aus Wiener Neustadt in der "Heereszeitung" unter dem Titel "Unsere Kriegsmarine" eine, später auch von anderen Blättern übernommene Artikelserie, in der er die Gründung eines Marinevereines zur PR-Unterstützung der heimischen Seefahrt vorschlug.

1903 verschickte Wladimir Kuk an Zeitungen, Abgeordnete und Industrielle seine Werbeschrift "Ein Mahnwort an alle Vaterlandsfreunde", die zur Gründung eines Österreichisch-ungarischen Flottenvereines direkt aufforderte. Gleichzeitig hatte der Herausgeber des Blattes "Information" Josef Graf die Idee aufgegriffen und für sie auch tatkräftig geworben.

Am 18. September 1904 fand im Rittersaal des niederösterreichischen Landhauses in der Herrengasse die konstituierende Versammlung des "Vereins zur Förderung der österreichischen Schiffahrt" statt. Zum Präsidenten wurde ehrenhalber der Reichsratsabgeordnete Graf Ernst Sylva-Tarouca gewählt, zum geschäftsführenden Vorsitzenden einer der beiden Initiatoren Josef Graf.

1905 begann die Zeitschrift "Die Flagge" zu erscheinen; doch der Verein hatte keinen dauerhaften Sitz, die Versammlungen und Vorträge fanden in gemieteten Sälen statt.

1907 wurde der Name in "Österreichischer Flottenverein" geändert und der Marinekommandant Rudolf Graf Montecuccoli als Gönner gewonnen; man zählte 1.000 Mitglieder. Graf Josef Thun-Hohenstein wurde zum Präsidenten gewählt.

1908: Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este übernahm das Protektorat. Der "Österreichische Flottenverein" begann rasch zu wachsen; der Aufschwung steht in der Geschichte österreichischer Vereine beispiellos da.

1909 gab es 2000 Mitglieder. Ein Seemannsheim in Triest wurde finanziert.

1910 wurde Prinz Alfred von und zu Liechtenstein zum Präsidenten. Auf der Jagdausstellung im Wiener Prater warb ein Pavillon mit einem Leuchtturm 1:1 für den Flottenverein.
Im November 1910 bezog der Flottenverein seinen definitiven Stützpunkt in Wien 9, Schwarzspanierstraße 15.
Zum Jahresende erreichte die Mitgliederzahl dank massiver Werbekampagne und der Senkung der Beiträge 10.000(!) Personen. Ursprünglich war jedes ordentliche Mitglied verpflichtet, jährlich 25 Kronen zu zahlen; ab 1910 gab es ermäßigte Beiträge zu 10 und 5 Kronen, "je nach Selbsteinschätzung" des Mitgliedes. Eine weise Entscheidung, die mit Ehre und menschlicher Eitelkeit rechnete! Daneben gab es auch reiche Sponsoren, die mit höheren Beiträgen mit dabei waren.

1911 wurde das 20.000ste Mitglied registriert. Der Flottenverein begann für den Bau der 24.500 t - Schlachtschiffe "Ersatz Monarch" zu werben. Zu den Stapelläufen wurden Vereinsreisen veranstaltet; im Mittelmeer auch Kreuzfahrten, meist mit dem Lloydschiff Thalia.

1913 gab es 30.000 Mitglieder. Der Flottenverein beteiligte sich an der Adriaausstellung in Wien; die Ausstellung war die größte jemals in Wien gezeigte maritime Schau. In Triest wurde der Nautischen Akademie der Segelkutter Aldebaran gewidmet.
Am 11. November 1913 wurde auf der Wiener Mariahilferstraße 85-87 das Flottenkino eröffnet, das neben der kommerziellen Stärkung des Vereins – die Kinos arbeiteten damals gewinnbringend - auch Säle für maritime Großveranstaltungen bot.

Am 14. Juli 1914, knapp vor dem Kriegsausbruch, hatte der "Österreichische Flottenverein" 44.617 Mitglieder. Er wurde in den vergangenen zehn Jahren von einem kleinen Kreis von Romantikern zu einem ernstzunehmenden wirtschaftlichen Faktor; aus einem elitären Club wurde eine übernationale, unpolitische Massenbewegung, die alle Zweige der Volkswirtschaft erreichte.
Der Flottenverein bestand neben der Wiener Zentrale aus vielen Ortsgruppen; eine Ortsgruppe konnte überall dort gebildet werden, wo sich mehr als 20 Mitglieder zusammenfanden. 1914 waren es an die 200 solcher Ortsgruppen, sogar im Ausland: Abbazia, Adelsberg, Alexandrien, Antwerpen, Athen, Baden, Banjaluka, Barcelona, Beirut, Berlin, Berndorf, Bielitz, Bjelina in Bosnien, Bozen, Braila, Brcka, Brioni, Brünn, Brüssel, Brüx, Budweis, Bukarest, Cattaro, Curytiba, Czernowitz, Dresden, Eger, Franzensbad, Galatz, Gmunden, Görz, Gorazda, Gradiska, Graz, ...

Nach der Ermordung Franz Ferdinands übernahm das Protektorat der neue Thronfolger Erzherzog Karl. Der Verein steigerte im Weltkrieg seine Propagandatätigkeit: Aus Spenden konnte er der k.u.k. Kriegsmarine ein Unterseeboot und zwei Flugzeuge widmen. Der Flottenverein hatte zuletzt um die 80.000 Mitglieder.

Ende 1918 brachte der Zerfall der Monarchie auch das Ende des Flottenvereins; das Hauptziel, die Förderung der heimischen Seefahrt, entfiel. Die letzte Ausgabe der "Flagge" ist mit März/April 1919 datiert.

Die stark geschwächte Wiener Zentrale und Ortsgruppe in der Schwarzspanierstraße wandelte sich zum "Österreichischen Schiffahrtsverein" und kurz darauf zur "Österreichischen Weltwirtschaftsgesellschaft" um. Neben dieser Vereinigung von Freunden und Förderen der Schiffahrt bildeten sich schon in den ersten Monaten der kleinen Republik in Linz, Klagenfurt, Salzburg, Tirol, Steiermark und Vorarlberg lose Gruppen ehemaliger Seeleute, die ihr Beruf verloren haben und sich um gegenseitige Unterstützung bemühten.

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Es begann 1902: Ende dieses Jahres veröffentlichte der Oberrechnungsrat Wladimir Kuk aus Wiener Neustadt in der "Heereszeitung" unter dem Titel "Unsere Kriegsmarine" eine, später auch von anderen Blättern übernommene Artikelserie, in der er die Gründung eines Marinevereines zur PR-Unterstützung der heimischen Seefahrt vorschlug. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />1903 verschickte Wladimir Kuk an Zeitungen, Abgeordnete und Industrielle seine Werbeschrift "Ein Mahnwort an alle Vaterlandsfreunde", die zur Gründung eines Österreichisch-ungarischen Flottenvereines direkt aufforderte. Gleichzeitig hatte der Herausgeber des Blattes "Information" Josef Graf die Idee aufgegriffen und für sie auch tatkräftig geworben. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />Am 18. September 1904 fand im Rittersaal des niederösterreichischen Landhauses in der Herrengasse die konstituierende Versammlung des "Vereins zur Förderung der österreichischen Schiffahrt" statt. Zum Präsidenten wurde ehrenhalber der Reichsratsabgeordnete Graf Ernst Sylva-Tarouca gewählt, zum geschäftsführenden Vorsitzenden einer der beiden Initiatoren Josef Graf. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />1905 begann die Zeitschrift "Die Flagge" zu erscheinen; doch der Verein hatte keinen dauerhaften Sitz, die Versammlungen und Vorträge fanden in gemieteten Sälen statt. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />1907 wurde der Name in "Österreichischer Flottenverein" geändert und der Marinekommandant Rudolf Graf Montecuccoli als Gönner gewonnen; man zählte 1.000 Mitglieder. Graf Josef Thun-Hohenstein wurde zum Präsidenten gewählt. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />1908: Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este übernahm das Protektorat. Der "Österreichische Flottenverein" begann rasch zu wachsen; der Aufschwung steht in der Geschichte österreichischer Vereine beispiellos da. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />1909 gab es 2000 Mitglieder. Ein Seemannsheim in Triest wurde finanziert. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />1910 wurde Prinz Alfred von und zu Liechtenstein zum Präsidenten. Auf der Jagdausstellung im Wiener Prater warb ein Pavillon mit einem Leuchtturm 1:1 für den Flottenverein. <br class="linefeed" /> Im November 1910 bezog der Flottenverein seinen definitiven Stützpunkt in Wien 9, Schwarzspanierstraße 15. <br class="linefeed" /> Zum Jahresende erreichte die Mitgliederzahl dank massiver Werbekampagne und der Senkung der Beiträge 10.000(!) Personen. Ursprünglich war jedes ordentliche Mitglied verpflichtet, jährlich 25 Kronen zu zahlen; ab 1910 gab es ermäßigte Beiträge zu 10 und 5 Kronen, "je nach Selbsteinschätzung" des Mitgliedes. Eine weise Entscheidung, die mit Ehre und menschlicher Eitelkeit rechnete! Daneben gab es auch reiche Sponsoren, die mit höheren Beiträgen mit dabei waren. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />1911 wurde das 20.000ste Mitglied registriert. Der Flottenverein begann für den Bau der 24.500 t - Schlachtschiffe "Ersatz Monarch" zu werben. Zu den Stapelläufen wurden Vereinsreisen veranstaltet; im Mittelmeer auch Kreuzfahrten, meist mit dem Lloydschiff Thalia. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />1913 gab es 30.000 Mitglieder. Der Flottenverein beteiligte sich an der Adriaausstellung in Wien; die Ausstellung war die größte jemals in Wien gezeigte maritime Schau. In Triest wurde der Nautischen Akademie der Segelkutter Aldebaran gewidmet. <br class="linefeed" /> Am 11. November 1913 wurde auf der Wiener Mariahilferstraße 85-87 das Flottenkino eröffnet, das neben der kommerziellen Stärkung des Vereins – die Kinos arbeiteten damals gewinnbringend - auch Säle für maritime Großveranstaltungen bot. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />Am 14. Juli 1914, knapp vor dem Kriegsausbruch, hatte der "Österreichische Flottenverein" 44.617 Mitglieder. Er wurde in den vergangenen zehn Jahren von einem kleinen Kreis von Romantikern zu einem ernstzunehmenden wirtschaftlichen Faktor; aus einem elitären Club wurde eine übernationale, unpolitische Massenbewegung, die alle Zweige der Volkswirtschaft erreichte. <br class="linefeed" /> Der Flottenverein bestand neben der Wiener Zentrale aus vielen Ortsgruppen; eine Ortsgruppe konnte überall dort gebildet werden, wo sich mehr als 20 Mitglieder zusammenfanden. 1914 waren es an die 200 solcher Ortsgruppen, sogar im Ausland: Abbazia, Adelsberg, Alexandrien, Antwerpen, Athen, Baden, Banjaluka, Barcelona, Beirut, Berlin, Berndorf, Bielitz, Bjelina in Bosnien, Bozen, Braila, Brcka, Brioni, Brünn, Brüssel, Brüx, Budweis, Bukarest, Cattaro, Curytiba, Czernowitz, Dresden, Eger, Franzensbad, Galatz, Gmunden, Görz, Gorazda, Gradiska, Graz, ... <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />Nach der Ermordung Franz Ferdinands übernahm das Protektorat der neue Thronfolger Erzherzog Karl. Der Verein steigerte im Weltkrieg seine Propagandatätigkeit: Aus Spenden konnte er der k.u.k. Kriegsmarine ein Unterseeboot und zwei Flugzeuge widmen. Der Flottenverein hatte zuletzt um die 80.000 Mitglieder. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />Ende 1918 brachte der Zerfall der Monarchie auch das Ende des Flottenvereins; das Hauptziel, die Förderung der heimischen Seefahrt, entfiel. Die letzte Ausgabe der "Flagge" ist mit März/April 1919 datiert. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />Die stark geschwächte Wiener Zentrale und Ortsgruppe in der Schwarzspanierstraße wandelte sich zum "Österreichischen Schiffahrtsverein" und kurz darauf zur "Österreichischen Weltwirtschaftsgesellschaft" um. Neben dieser Vereinigung von Freunden und Förderen der Schiffahrt bildeten sich schon in den ersten Monaten der kleinen Republik in Linz, Klagenfurt, Salzburg, Tirol, Steiermark und Vorarlberg lose Gruppen ehemaliger Seeleute, die ihr Beruf verloren haben und sich um gegenseitige Unterstützung bemühten.
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