Sie befinden sich hier: Startseite > Alternativtexte für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen > Die Ähren-Kleid-Madonna

Zoomen im Objektbild



Beschreibung des Objekts zum Anhören



Beschreibung des Objekts zum Lesen

Die Ährenkleidmadonna ist ein lebensgroßes Ölbild auf Holz aus dem Jahr 1495. Das Kunstwerk wird dem Maler Rueland Frueauf dem Älteren zugeschrieben.

Das spätgotische Tafelbild ist hoch und schmal. Es zeigt die heilige Maria – beinahe lebensgroß – als Jungfrau mit offenen, langen Haaren und blauem Kleid. Das Kleid ist bodenlang, hat einen runden Ausschnitt, lange Ärmel und fällt in Falten nach unten. Es breitet sich auch noch auf dem Boden aus und nimmt beinahe den ganzen Raum der gemalten Bodenfläche ein. Auf dem Blau finden sich, über das ganze Kleid verstreut, goldene Kornähren. An den Ärmeln und am runden Ausschnitt sind Borten aus goldenen Sonnenstrahlen aufgenäht.

Marias Körper wird von vorne gezeigt, nur ihr Kopf ist leicht nach rechts gewendet. Sie hat die Hände vor der Brust gefaltet. Die langen, herabfallenden, rot-blonden Haare reichen in Locken bis an ihre Hüfte. Ein schmaler, gedrehter Goldhaarreifen mit einem roten Stein in der Mitte hält ihr die Haare aus dem Gesicht. Zurzeit, als das Bild entstanden ist, war eine hohe Stirn sehr modern und drückte eine edle und vornehme Haltung aus. Oft waren die Haaransätze auch ausrasiert. Marias Haut wirkt sehr hell, fast durchscheinend. Auch helle Haut war ein Symbol für eine vornehme Herkunft. Marias Augen sind fast geschlossen und blicken nach unten, die Augenbrauen sind sehr fein und gebogen. Den einzigen Farbakzent bietet der leicht rote Mund. Der Kopf wird von einem runden Heiligenschein eingerahmt, der golden ausgemalt ist und einen hervorgehobenen schmalen Rand mit kleinen Goldkugeln aufweist.

Diese Form der Darstellung soll Maria als sehr junge Frau und Tempeljungfrau zeigen. Der Überlieferung nach wurde sie im vierten Lebensjahr von ihren Eltern in den Tempel gebracht, um – wie andere Mädchen auch – dort verschiedene Dienste zu verrichten und Handarbeiten wie Weben und Stricken zu erlernen. Maria blieb bis zu ihrer Verlobung mit Josef im Tempel – ein Umstand, der die jungfräuliche Heiligkeit der Gottesmutter von Anfang an betont.

Verschiedene theologische Quellen und auch Dichter geistlicher Lieder im 14. und 15. Jahrhundert bezeichnen Maria als „guten Acker, der das edle weise Korn“, also Christus, „trägt“. So wird das Hervorbringen des Gottessohns durch Maria dargestellt – Maria, symbolisch als Gottes Acker, und Jesus durch die goldenen Weizenähren.

Dieser Typus der Darstellung Marias als Jungfrau im Ährenkleid war damals sehr verbreitet, und es finden sich viele Vergleichsbeispiele in der Kunst. Ausgangspunkt für die Verbreitung war ein Gnadenbild im Mailänder Dom. Die allgemeine Marienverehrung, die im 14. Jahrhundert besonders populär wurde und ihren Niederschlag in unzähligen, thematisch verschiedenen Darstellungen in Skulpturen, Gemälden und Grafiken fand, trug auch zu der Verbreitung bei.

Auch der Hintergrund des Bildes ist typisch für die damalige Zeit. Er zeigt eine goldfarbene Wand, die oben und an den Seiten bis an den Bilderrahmen heranreicht. Der Goldhintergrund sollte das Überirdische und Himmlische symbolisieren. Vor diesem Goldgrund schwebt etwa auf Höhe von Marias Kopf rechts und links je ein kleiner, blond gelockter Engel. Die beiden Engel tragen lange, weiße, mit einem Gürtel gebundene Kleider und haben Flügel. Sie sind aber deutlich kleiner als die Hauptfigur und wirken so wie Kinder. Die zwei Engel halten einen roten Wandteppich aus dunkelrotem Brokat, der Maria in Form eines Rechtecks vom Hals bis zu den Knien einrahmt. Der Teppich nimmt den Raum hinter der Jungfrau fast ganz ein und endet über dem Boden in grün-weiß-roten Fransen. Oben ist er mit einer Goldborte abgeschlossen, an den Seiten mit einer Reihe von kleinen schwarz-weißen Rechteckflächen eingefasst. Ein eingewebtes Granatapfelmuster deutet auf göttliche und menschliche Liebe sowie auf die Auferstehung Christi hin.

Im untersten Teil des Bildes breitet sich auf erdigem Boden der Saum von Marias Kleid aus. Ganz unten ist ein dünner Streifen Gras zu erkennen. Verstreut rund um die Füße der Gottesmutter finden sich Pflanzen und Tiere mit großer symbolischer Bedeutung. Vorne links wächst eine Walderdbeer-Staude aus der Wiese. Die Pflanze zeigt gleichzeitig ihre weißen Blüten und roten Früchte. Die weiße Blüte ist ein Symbol für die Unschuld, die Gleichzeitigkeit von Blüte und Frucht soll auf den Kreislauf des Lebens hindeuten. Die dreilappigen Blätter verweisen auf die göttliche Trinität. Auch die Hahnenfuß-Pflanze rechts hinten soll die göttliche Trinität symbolisieren.

Das stark duftende Veilchen, das links vom Saum des Kleides aus der Erde sprießt, steht im christlichen Glauben für Demut und Bescheidenheit. Im Vordergrund rechts, fast ein wenig verborgen durch den Rocksaum, ist ein weißer Schmetterling, vermutlich ein Kohlweißling, zu sehen – ebenfalls ein christliches Symbol für Reinheit und Auferstehung.

All diese Sinnbilder nehmen Bezug auf die heilige Jungfrau Maria. Im Gegensatz dazu krabbelt hinten links ein Hirschkäfer von Maria weg. Er ist das Symbol des Bösen und des Teufels. Das Sich-Entfernen symbolisiert, dass Maria den Überwinder des Bösen gebären wird.



Eckdaten

Titel: Heilige Maria im Ährenkleid
Person/Organisation: Rueland Frueauf der Ältere (1440–1507)
Datierung: Um 1495
Bemalte Fläche: 170 x 74 cm
Material/Technik: Tempera auf Nadelholz
Salzburg Museum, Inv.-Nr. 1 LS-82